Sparbücher adé | Wer da noch spart, ist selber Schuld?
18. November 2011 # Weiterführendes Finanzwissen...Das gute alte Sparbuch gehört nach wie vor zu den liebsten Geldanlageformen der Deutschen, Tendenz leicht fallend. Viele Menschen sind in diese Sparform von Kindheit an hineingewachsen. Man brachte das gemästete Sparschwein oder die volle Spardose zur Bank und bekam die entsprechende Summe gutgeschrieben in einem kleinen Heft, dem Sparbuch. Wenn man sich einen bestimmten Wunsch erfüllen wollte, holte man sich den Betrag von der Bank ab. Die Vorgänge waren größtenteils noch nicht virtuell, man fasste das Geld an, bevor man es der Bank lieh, und hatte eher das Gefühl, dass man es der Bank vorübergehend zur Aufbewahrung gab. Das Sparbuch hielt man in den Händen und konnte alle Ein- und Auszahlungen sehen. Das Sparkonto eröffnete man größtenteils bei der Bank, wo man auch sein Girokonto hatte, und freute sich über ein paar Prozent Zinsen. So haben es viele Menschen über Jahrzehnte gehalten, vielleicht noch einige Papiere dazugekauft, die mit viel Werbung flächendeckend unters Volk gebracht worden waren (z.B. T-Aktie). Vergleiche mit anderen Bankprodukten oder gar anderen Anbietern wurden selten gemacht.
Die schlechtere Alternative zum Tagesgeld
Mit der Zeit wurde es zunehmend leichter, aktuelle Zinsentwicklungen der verschiedenen Sparanlagen über Tageszeitung, Faxabruf und schließlich Internet, zu erfahren und zu vergleichen. Direktbanken traten mit den moderneren Tages- und Festgeldangeboten an ihre Girokonto-Kunden heran. Obwohl die Zinsen für Sparbücher größtenteils gut ein bis zwei ganze Prozent unter den Tagesgeldkonten liegen, und deutlich unter der Inflationsrate, erfreut sich das Sparbuch weiterhin großer Beliebtheit. Es wird wegen seiner Vertrautheit, Einfachheit und Sicherheit extrem geschätzt, so sehr, dass dafür sogar Vermögenseinbußen in Kauf genommen werden. Inzwischen ist das Spar”buch” selbst aus der Mode gekommen. Von Sparkonto wird stattdessen gesprochen und oft eine Sparcard ausgegeben.

Wer heute noch Sparbücher statt Tagesgeldkonten nutzt, verschenkt mehr als eine Hand voll Geld! | © fotowahn/Fotolia
Meist nur Teilsummen sofort verfügbar
Die typischen Sparbuch-Konditionen sind aber geblieben: Das Sparkonto ist kostenlos. Man überlässt der Bank für unbestimmte Zeit Geld (gibt ihr ein Darlehen) und bekommt dafür Zinsen, die gewöhnlich einmal jährlich gutgeschrieben werden. Die Zinshöhe für Sparbuch-Einlagen kann sich jederzeit ändern. Weitere Einzahlungen kann man jederzeit leisten. Über die Auszahlungen kann täglich verfügt werden, jedoch nur bis zu einem Höchstbetrag von 2.000 € pro Monat. Es besteht eine dreimonatige Kündigungsfrist. Braucht man das Geld vorher, ist mit sogenannten Vorfälligkeitskosten zu rechnen. Behelfen kann man sich in so einem Falle etwas, indem man während dieser drei Monate jeweils schon 2.000 € abhebt und so die zu kündigende Summe verringert.
BMW Bank, Targobank, Umweltbank oder Berliner Sparkasse?
Die höchsten Zinsen für Sparbücher gibt es grundsätzlich bei Online-Kontoführung, etwas geringere Zinsen bei Telefon-Banking. BMW Bank und Targobank versprechen derzeit hohe Sparbuchzinsen, auch Umweltbank und Berliner Sparkasse liegen gut im Rennen. Wer bei der Postbank ein Girokonto hat, kann von guten Sparbuchzinsen profitieren. Dennoch: Tagesgeld bringt in jedem Fall bessere Zinsen.
Die Sicherheit ist bei allen drei konkurrierenden Anlageformen (Sparbuch, Tagesgeld, Festgeld) gleichermaßen gegeben durch Einlagenfonds; in Deutschland teilweise in Millionen-, beziehungsweise Milliardenhöhe.
Wer trotz mancher Nachteile das Sparbuch weiterhin als Sparanlage seiner Wahl betrachtet, sollte nach höherverzinsten aktuellen Sparbuch-Angeboten in den Vergleichsrechnern suchen.
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